Archive for Januar 2010

Verwehungen

Januar 31, 2010

 

Der Schnee, der tauend sich auf meine Wimpern seidig setzt,

lässt Regenbogenfarben schillern wie die Schuppen eines Fisches.

Die zügellose, eisig kalte Kraft des Winters hat was Frisches,

denn schneeverwehte Landschaftsbilder lächeln lautlos bis zuletzt.

 

Wenn eines dieser Flöckchen tanzt wie dieses Sehnsuchtslied,

das tausend Mal und immer wieder Seelenfänger spielen möchte,

bereitet’s mir Vergnügen, ihm beim Schmelzen zuzusehn, wie sachte

es sich in Wasser wandelt, läuft und rinnt – es wird dabei nicht müd.

 

Die Kälte aber lässt die Flockenarmee wie die Toten ruhn –

Erst unter einem Mikroskop entfaltet sich graziler Zauber –

Die Riesenmenge Schnee, die  macht es aus – die Welt erscheint uns sauber!

Es fehlt ein Geistesblitz, denn hätte jemand diesen, gäb es viel zu tun!

 

Schakim

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Auf den Bergen des Zwiespalts

Januar 28, 2010

 

 

Gedanken und Landschaft verfügen

über besinnliche Bilder,

und manche bereiten Vergnügen,

tanzen im Herzen noch wilder,

erklimmen die höchsten Regionen.

 

Nun droht bald das Hirn zu zerspringen,

lockt doch ein himmlisches Wesen –

Ein Zaudern und Zögern statt Singen –

Alles vergeht, wird verwesen!

Es bleiben uns einzig Ikonen …

 

Mit Ehrfurcht, so steht man vor ihnen:

Glänzend und golden, was heilig –

Wozu all die Bilder uns dienen?

Träume ich? Nein! Ich hab’s eilig!

Zerrissenheit soll mich verschonen …

 

Schakim

Mischwesen

Januar 27, 2010

Jedes Wesen ist mir recht,

bin ich nicht nur dessen Knecht;

lacht mir eines ins Gesicht,

lach ich schnell zurück aus Pflicht.

Manche Wesen – ist mir klar –

sind auf Erden wunderbar,

und sie sind für sich allein

mystisch wie ein Zauberstein,

denn sie spüren unverzagt,

wenn ein kleiner Kummer plagt.

Wer und wen es dabei trifft,

steht in keiner Zauberschrift.

 

Schakim

Wegbegleiter

Januar 26, 2010

 

Wenn ich dich erträume, leuchtet mein Gesicht,

doch sehr bald erscheint nur eine Fratze,

welche dieses Leuchten keifend unterbricht –

Und ich fühl mich schlecht, so schlecht – ich platze.

 

Diese Art zu träumen ist ein kalter Biss,

doch er spornt mich an, mich zu beeilen,

nicht am Ort der Sehnsucht zu verweilen,

denn die Sehnsucht reist stets mit, das ist gewiss.

 

Also Sehnsucht ist – erklär ich – bloss ein Schuh!

Manchmal drückt sie und sie kann beengen –

Hin- und wieder kneif ich beide Augen zu,

will sie mich in ihre Enge drängen.

 

Wie der Traum doch immer wieder mit mir spielt:

Eingefrornes will er aufbewahren,

Wunder später einmal offenbaren.

Habe mich wie eine Taube wohl gefühlt.

 

Stirbst du mir in Träumen, ist es Schlangengift.

Und Gedanken quälen mich durch Tage –

Ungemütlich zeigt sich meine Lage,

bis erneut ein Blitz aufleuchtet und mich trifft.

 

Sehnsuchtsbilder reisen um die ganze Welt –

Vögel plustern zwinkernd ihr Gefieder.

Manchmal ist die Sehnsucht wie ein Hund, der bellt,

winselt, bettelt, wirft sich vor dir nieder …

 

Schakim

Wintermonster

Januar 24, 2010

 

Ich singe im Herzen die Sommerlieder –

Es dauert eine Ewigkeit –

Und draussen, da rieselt es Schnee hernieder.

Ich fühle weisse Einsamkeit.

Da wird man so hin- und so hergerissen

und zeigt sich etwas wintermüd.

Sobald mich die frostigen Monster küssen,

erklingt in mir dein Sommerlied.

Ich wandre inzwischen durch Träume weiter

und sehe Wolken, wie sie gehn.

Gesichter erstrahlen vertraut und heiter.

Das Wintermonster wird verwehn.

 

Schakim

Pikant

Januar 19, 2010

Ich bette mich so warm und weich  –

In Träumen mach ich Freudensprünge,

in meinem kleinen Himmelreich,

in dem ich bis zu dir vordringe.

Ich singe leise vor mich hin –

Am liebsten würd‘ ich dich jetzt necken –

Ich bin nun mal so wie ich bin

ein Schneeflöcklein und will dich wecken.

Ich zaubre dir ein schönes Bild

und will dich damit überraschen –

Nichts andres führ ich doch im Schild,

komm,  find mich, fang mich, darfst mich haschen.

Ein weisses Wölkchen in der Luft

und viele Träume, die dich wärmen.

Und irgendwo ein Feuerduft

mit Winterholzschlaglärmen.

 

 

Schakim

 

Fantasia

Januar 16, 2010

 

Fantasia hast du, sei nicht blind,

sie treibt dich an wie Nacht und Wind,

und gäb es sie im Leben nicht,

dann fehlte uns ein Schimmer Licht.

 

Fantasia steckt in jedem Kind,

es spielt mit ihr so locker, lind,

und lädt dich zum Verweilen ein,

das ist wie neu geboren sein.

 

Verzichten will man nicht auf sie,

und wer nicht sucht, der findet nie!

Sie zeigt sich hier, sie zeigt sich dort,

du findest sie an jedem Ort!

 

Verträumte sind ihr stets ein Gast

und Bilderreichtum keine Last –

So nimm dir etwas Zeit für sie,

sodann verlässt sie dich auch nie!

 

Schakim

Zauberstein

Januar 15, 2010

 

Erzähl am Morgen deine Träume einem Kieselstein,

dann wirf in weit in einen Schnee bedeckten Busch hinein,

verfolge dieses kleine Loch, das er still hinterlässt

und wünsch dir einen Vogel dort mit einem Frühlingsnest.

 

Schakim

Morgenlicht

Januar 12, 2010

 

 

Die Wolken bilden einen Hut,

und zu Kristall gefriert mein Blut –

In Träumen such ich meinesgleichen

im zauberhaften Morgenlicht,

das sich in meinen Augen bricht –

Ob ich sie finde, weiss ich nicht,

weil Träume oft zu schnell verbleichen.

 

Gebannt, so starr ich auf ein Bild,

es spiegelt sich im Fenster, wild –

Es lächelt und es zeigt Entzücken.

Da taut das Blut in meiner Brust,

pulsiert und randaliert voll Lust –

Mir ist zu vieles unbewusst –

Was will der Tag mir heute schicken?

 

Ganz langsam wird der Himmel hell.

Nein! Irgendwie – fast geht’s zu schnell!

Das Morgenlicht ist wie ein Segen –

Ich tanke aus ihm Kraft, geballt –

Das macht mich stark und gibt mir Halt.

Mein Traum erstarrt, wird zu Basalt –

Ich stürze mich ins wahre Leben …

 

Schakim

Skorpion

Januar 12, 2010

 

Ein Skorpion im Wüstensand,

ein Dattelbaum im fremden Land –

Und hier? Ein tief verschneiter Ort!

Ich flüstre meine Träume fort.

 

Der Schnee verzaubert, wenn er fällt

mit Glanz und Glimmer unsre Welt –

Ein Skorpion hingegen ist

ein Tier, das keiner schnell vergisst.

 

Man hüte sich vor seinem Stich –

Er könnte töten – dich und mich –

In Träumen reist man endlos weit

und schüttelt Schnee ab ganz befreit …

 

Schakim